Hintergrund
Sekundärer Hyperparathyreoidismus (sHPT) bei Dialysepatienten entsteht durch chronisch-nierenbedingte Störung der Kalzium-Phosphat-Homöostase: Niedriges Kalzium und hohes Phosphat stimulieren PTH-Sekretion dauerhaft → Nebenschilddrüsen-Hyperplasie → massiv erhöhtes PTH → renale Osteodystrophie, Gefäßverkalkung, erhöhte Mortalität.
Orales Cinacalcet war bisher Goldstandard, hat aber Compliance-Probleme (häufige GI-Nebenwirkungen, dreimal tägliche Einnahme). Etelcalcetid löst dieses Problem: direkte i.v. Gabe am Ende jeder Dialysesitzung sichert 100% Compliance.
Wirkmechanismus
- CaSR-Aktivierung: Etelcalcetid bindet kovalent (Disulfid-Brücke) an Cys482 des CaSR auf Nebenschilddrüsenzellen
- Allosterische Aktivierung: Erhöhte Kalziumsensitivität des CaSR → PTH-Sekretion auch bei niedrigem Kalzium gehemmt
- PTH↓: Signifikante Reduktion intakter PTH-Spiegel
- Knochenremodeling: Verbesserung von Knochenmarker (ALP, P1NP) unter Therapie
Vergleich Etelcalcetid vs. Cinacalcet
| Parameter | Etelcalcetid | Cinacalcet |
|---|---|---|
| Applikation | i.v. (Dialyse) | Oral (3×/Tag) |
| Compliance | 100% | Variable |
| PTH-Reduktion | Stärker | Geringer |
| GI-Nebenwirkungen | Weniger | Häufig (Übelkeit) |
| Hypocalcämie | Ähnlich | Ähnlich |
| Kosten | Höher | Geringer |
Einschränkungen
Nur für Hämodialyse-Patienten; nicht für peritoneal dialysierte oder frühere CKD-Stadien zugelassen. Hypocalcämie ist häufigste Nebenwirkung (überwachungspflichtig). Höhere Kosten als Cinacalcet.

