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Therapeutische PeptideIn DE zugelassenProfil #108
#108

Enfuvirtid

T-20 / Fuzeon® – Erster HIV-Fusionsinhibitor

Was es ist

Enfuvirtid (T-20, Fuzeon®) ist ein synthetisches 36-Aminosäuren-Peptid (Ac-Tyr-Thr-Ser-Leu-Ile-His-Ser-Leu-Ile-Glu-Glu-Ser-Gln-Asn-Gln-Gln-Glu-Lys-Asn-Glu-Gln-Glu-Leu-Leu-Glu-Leu-Asp-Lys-Trp-Ala-Ser-Leu-Trp-Asn-Trp-Phe-NH₂), entwickelt von Trimeris Inc.

in Zusammenarbeit mit Roche. Es war 2003 das erste zugelassene Medikament einer neuen Klasse: HIV-Fusionsinhibitoren (Eintrittsinhibitoren). Enfuvirtid entspricht dem C-terminalen Heptadrepeat 2 (HR2) der transmembranen HIV-1-Hüllprotein-Untereinheit gp41 und hemmt die Konformationsänderung, die zur Fusion von Virus und Zellmembran führt.

Wofür es erforscht wird

  • HIV-1-Infektion (Salvage-Therapie)
  • Antiretrovirale Kombinationstherapie bei Multiresistenz
  • HIV-Fusionsmechanismus (grundlegende Virologie)
  • Peptid-basierte Antivirale

Stand der Forschung

Evidenzlevel: klinisch.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Halbwertszeit

Im Plasma 3,8 Stunden. Zweimal täglich subcutan.

Anwendung in der Forschung

90 mg (1 ml) s.c. zweimal täglich. Injektionsstellen wechseln (Oberschenkel, Abdomen, Oberarm). FDA-zugelassen 2003, EMA-zugelassen 2003. Nur für therapieerfahrene Patienten mit Resistenz gegen andere Klassen.

Vollständiges Profil mit Studienverweisen, Halbwertszeit und Forschungsanwendung – nur für Premium-Mitglieder.

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Verschreibungspflichtiges Medikament

Diese Substanz ist in Deutschland als Arzneimittel zugelassen und ausschließlich auf ärztliche Verschreibung erhältlich. Die Inhalte dieser Seite dienen nur der Information über Forschungsstand und Wirkmechanismus – sie ersetzen keine ärztliche Beratung und stellen keine Anwendungsempfehlung dar.

Hintergrund

Enfuvirtid war 2003 ein Meilenstein der Virusforschung: Es war nicht nur das erste HIV-Fusionsinhibitor, sondern auch das erste therapeutische Peptid für eine Viruserkrankung dieser Klasse. Die TORO-Studien (TORO 1 und 2, 2003) zeigten signifikante virologische Suppression bei hoch therapieerfahrenen Patienten mit Multiresistenz.

Der wissenschaftliche Hintergrund: HIV gp41 muss eine Konformationsänderung von einer „Pre-Hairpin”-Struktur zur „Six-Helix Bundle”-Struktur durchführen, um die Fusion einzuleiten. Enfuvirtid ahmt die HR2-Region nach und blockiert damit die HR1-HR2-Interaktion, die für die Fusion notwendig ist.

Wirkmechanismus

  • Bindung an gp41-HR1: Enfuvirtid (HR2-Analogon) bindet die HR1-Region des gp41 in der Pre-Hairpin-Intermediate-Struktur
  • Blockade des Six-Helix Bundle: Die für die Membranfusion notwendige Konformationsänderung wird blockiert
  • Extrazellulare Wirkung: Einziges antiretrovirales Peptid mit extrazellulärem Wirkmechanismus
  • Kein Einfluss auf intrazelluläre Schritte: Wirkt nur auf den Eintrittsschritt

Praktische Einschränkungen

  • Zweimal täglich subcutane Injektion: hohe Injektionslast
  • Injektionsstellen-Reaktionen bei ~98% der Patienten (Knötchen, Indurationen, Rötung)
  • Hohe Therapiekosten (~20.000 $/Jahr in den USA)
  • Orale Verfügbarkeit nicht möglich (Peptid)

Wegen dieser Einschränkungen wird Enfuvirtid trotz guter Wirksamkeit nur als Reserve-Medikament bei Multiresistenz eingesetzt. Neuere Eintrittsinhibitoren (Ibalizumab, Fostemsavir) bieten weniger belastende Applikationsformen.

Historische Bedeutung

Enfuvirtid bewies das Prinzip peptidischer Eintrittsinhibitoren und öffnete ein ganzes Forschungsfeld für Virus-Fusionsinhibitoren (SARS-CoV-2, RSV, Parainfluenza). Es ist das erste antiviral wirksame, zugelassene Peptid der modernen Ära.

STUDIEN

Verlinkte Forschung

01
Phase III RCT2005

Durable efficacy of enfuvirtide over 48 weeks in heavily treatment-experienced HIV-1-infected patients in the T-20 versus optimized background regimen only 1 and 2 clinical trials

Nelson M, et al. · J Acquir Immune Defic Syndr

Hinweis: Wir empfehlen, jede zitierte Studie eigenständig zu prüfen. Aktualität, Methodik und Übertragbarkeit auf den Menschen sollten kritisch bewertet werden.

WEITERE PROFILE

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