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Therapeutische PeptideResearch Use OnlyProfil #88
#88

CRH

Corticotropin-Releasing Hormon – Stressachsenmediator

Was es ist

CRH (Corticotropin-Releasing Hormone, auch CRF: Corticotropin-Releasing Factor) ist ein endogenes 41-Aminosäuren-Peptid aus dem Nucleus paraventricularis des Hypothalamus, erstmals 1981 von Wylie Vale sequenziert.

CRH ist der oberste Regulator der HPA-Achse: CRH → ACTH (Hypophyse) → Kortisol (Nebenniere) – die primäre Stresshormonkaskade des Menschen. Im Gehirn fungiert CRH auch als Neurotransmitter in der Amygdala, dem präfrontalen Kortex und dem Hirnstamm, wo es Angst-, Depressions- und Suchtreaktionen moduliert.

Wofür es erforscht wird

  • Depression und affektive Störungen (CRH1R-Antagonismus)
  • Angststörungen und PTBS
  • HPA-Achsen-Dysregulation
  • Morbus Cushing-Diagnostik (CRH-Stimulationstest)
  • Reizdarmsyndrom (periphere CRH-Signalwege)
  • Entzündliche Darmerkrankungen
  • Suchterkrankungen und Stress-induziertes Rückfallrisiko

Stand der Forschung

Evidenzlevel: klinisch.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Halbwertszeit

Im Plasma: ca. 60–70 Minuten. Im ZNS: lokale Wirkung über Stunden.

Anwendung in der Forschung

Diagnostisch: Humanes CRH (hCRH) oder Ovines CRH (oCRH) i.v. für ACTH/Cortisol-Stimulationstests. Therapeutisch: CRH1R-Antagonisten (Antalarmin, NBI-30775, R121919) in Phase-II-Studien für Depression – alle bisher ohne Zulassung.

Vollständiges Profil mit Studienverweisen, Halbwertszeit und Forschungsanwendung – nur für Premium-Mitglieder.

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Rechtlicher Hinweis – Research Use Only

Die hier dargestellten Informationen dienen ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Diese Substanz ist in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen und darf nicht zur Anwendung am Menschen eingesetzt werden. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.

Hintergrund

Die Entdeckung von CRH 1981 durch Wylie Vale (Salk Institute) löste nach 50 Jahren das Rätsel, wie der Hypothalamus die Nebenniere reguliert. Das war eine der letzten großen Hormone-Entdeckungen des 20. Jahrhunderts. CRH erwies sich als Mitglied einer Peptid-Superfamilie mit Urocortinen (1, 2, 3) als strukturell verwandten Mitgliedern.

Überaktive CRH-Systeme bei Depression, PTBS und Angststörungen sind seit den 1980er-Jahren dokumentiert. Post-Mortem-Studien zeigen erhöhte CRH-mRNA in Frontalkortex von Suizid-Opfern. Diese Befunde motivierten jahrzehntelange Suche nach CRH-Antagonisten als Antidepressiva.

Wirkmechanismus

  • CRH1R: HPA-Achsen-Aktivierung in Hypophyse; Angst und Panik in Amygdala und frontalem Kortex
  • CRH2R: Urocortin-bevorzugter Rezeptor; kardioprotektiv, Magenentleerung, Angstmodulation

Zentrale Wirkungen von CRH:

  • Amygdala: Angst, Furchtkonditio­nierung, emotionale Gedächtniskonsolidierung
  • Hirnstamm (LC): Noradrenalin-Freisetzung → Hyperarousal, Vigilanz
  • Präfrontaler Kortex: Kognitive Stressverarbeitung

Forschungsstand

Mehrere CRH1R-Antagonisten (Pexacerfont, NBI-30775, R121919) haben Phase-II-Studien bei Depression und Angst abgeschlossen, zeigten jedoch keine statistisch signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo. Mögliche Erklärung: CRH-Dysregulation betrifft nur Subgruppen (hohe Kortisol-/CRH-Depressions-Subtyp), nicht die gesamte Patientenpopulation.

Als Diagnostikum ist CRH etabliert: Der CRH-Stimulationstest (100 µg i.v.) ist Goldstandard bei Verdacht auf Morbus Cushing und hypothalamisch/hypophysäre Insuffizienz.

STUDIEN

Verlinkte Forschung

01
Original Research1981

Characterization of a 41-residue ovine hypothalamic peptide that stimulates secretion of corticotropin and beta-endorphin

Vale W, et al. · Science

Hinweis: Wir empfehlen, jede zitierte Studie eigenständig zu prüfen. Aktualität, Methodik und Übertragbarkeit auf den Menschen sollten kritisch bewertet werden.

WEITERE PROFILE

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