Hintergrund
Die CGRP-Geschichte ist eine Erfolgsgeschichte der translationalen Neurologie. 1985 wurde CGRP im Trigeminus-Ganglion nachgewiesen; 1990 zeigten Lancet-Studien, dass CGRP-Spiegel während Migräne-Attacken erhöht sind. 2018 revolutionierte Erenumab (Aimovig®) – der erste Anti-CGRP-Antikörper – die Migräne-Prophylaxe.
CGRP ist das prominenteste Beispiel eines Neuropeptids, für das eine vollständige Pathophysiologie → Biomarker → Therapeutikum-Kette in der Neurologie gelungen ist. In weniger als 30 Jahren von der Entdeckung zur zugelassenen, kausal ansetzenden Therapie.
Wirkmechanismus
- CGRP-Freisetzung: Trigeminale Nociceptoren aktiviert → massiver CGRP-Release → Vasodilatation kranialer Gefäße
- Neurogenic Inflammation: CGRP bewirkt Mastzell-Degranulation, Plasmaextravasation, Hyperalgesie
- Zentrale Sensibilisierung: CGRP in Trigeminus-Nucleus caudalis → Allodynie und Hyperalgesie
- Perivaskuläre Wirkung: CGRP-Rezeptoren auf glatten Muskelzellen → Gefäßerweiterung → Kopfschmerz-Mechanismus
- Kardioprotektiv: Koronare Vasodilatation, Ischämie-Prä-Konditionierung
Die CGRP-Revolution in der Migränetherapie
| Wirkstoff | Mechanismus | Indikation | Status |
|---|---|---|---|
| Erenumab (Aimovig®) | Anti-CGRP-R mAb | Migräne-Prophylaxe | Zugelassen |
| Fremanezumab (Ajovy®) | Anti-CGRP mAb | Migräne-Prophylaxe | Zugelassen |
| Galcanezumab (Emgality®) | Anti-CGRP mAb | Migräne-Prophylaxe, Cluster | Zugelassen |
| Rimegepant (Nurtec®) | CGRP-R-Antagonist | Akut + Prophylaxe | Zugelassen |
| Ubrogepant (Ubrelvy®) | CGRP-R-Antagonist | Akuttherapie | Zugelassen |
| Atogepant (Qulipta®) | CGRP-R-Antagonist | Prophylaxe | Zugelassen |
Einschränkungen
Anti-CGRP-Antikörper sind teuer und nicht für alle Patienten gleich wirksam. Langzeitwirkungen der vollständigen CGRP-Blockade auf kardiovaskuläre Schutzfunktionen (CGRP ist kardioprotektiv) werden noch überwacht.

