Hintergrund
Bombesin wurde 1970 von Vittorio Erspamer (bekannt für sein Amphibienpeptid-Programm) entdeckt. Erspamer isolierte aus Frosch-Hautsekret systematisch Peptide und fand in Bombesin ein Peptid mit außergewöhnlich starken gastrointestinalen Effekten.
Die Entdeckung, dass das menschliche GRP (Gastrin-Releasing Peptide) strukturell und funktionell Bombesin entspricht, machte das Frosch-Peptid zu einem wichtigen pharmakologischen Werkzeug. Heute ist Bombesin/GRP primär relevant für:
- Tumor-Diagnostik: GRPR ist in Prostatakrebs, Brustkrebs, Lungenkrebs und NET stark überexprimiert → Bombesin-Analoga als radiomarkierte Tracersubstanzen für PET-Bildgebung
- Appetitregulation: Als Proof-of-Concept-Werkzeug für die Sättigungsforschung
Wirkmechanismus
- GRPR (Gastrin-Releasing Peptide Receptor, BB2): GI-Motilität, Gastrin-Freisetzung, Sättigung über vagale Afferenzen
- NMBR (Neuromedin B Receptor, BB1): ZNS: Sättigung, Wachheit, Thermoregulation
- Satiety-Signaling: Bombesin s.c. reduziert Mahlzeitgröße bei Ratten und Menschen
- Tumorpromotion: Autokrines GRPR-Signaling fördert Tumorzell-Proliferation in GRPR-positiven Tumoren
- Rückenmark: GRP/GRPR vermittelt itch-Juckreiz-Signalübertragung (nicht Schmerz!)
Tumor-Theranostik
Bombesin-Analoga sind klinisch genutzte Radioliganden:
- Diagnostisch: ⁶⁸Ga-NOTA-Bombesin, ⁶⁸Ga-RM2 → PET-Bildgebung GRPR-positiver Tumoren
- Therapeutisch: ¹⁷⁷Lu-AMBA, ¹⁷⁷Lu-DOTAGA-Bombesin → Radiopeptidtherapie
Diese Theranostik-Anwendung ist klinisch am fortgeschrittensten und am sinnvollsten.
Einschränkungen
Als Sättigungs-Therapeutikum nicht nutzbar (zu kurze HWZ, GI-Nebenwirkungen). Hauptwert liegt in der Tumor-Diagnostik und -Therapie über markierte Analoga.

