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Therapeutische PeptideIn DE zugelassenProfil #120
#120

Bivalirudin

Angiomax® – Synthetischer Thrombininhibitor

Was es ist

Bivalirudin (Angiomax® in USA, Angiox® in Europa) ist ein synthetisches 20-Aminosäuren-Peptid, das als direkter bivalienter Thrombininhibitor wirkt.

Es wurde von The Medicines Company entwickelt und 2000 von der FDA zugelassen. Bivalirudin ist ein Analogon von Hirudin – dem natürlichen Thrombininhibitor aus dem Medizinischen Blutegel (Hirudo medicinalis). Im Gegensatz zu monovalentem Argatroban bindet Bivalirudin gleichzeitig an das aktive Zentrum und die Anionenbindungs-Exosite 1 des Thrombins (bivalienter Mechanismus). Thrombin spaltet dann das Peptid in einen inaktiven C-terminalen Rest und einen mono-valenten Inhibitor – dies schafft eine reversible, kurz anhaltende Inhibition.

Wofür es erforscht wird

  • Perkutane Koronarinterventionen (PCI/PTCA)
  • Heparininduzierte Thrombozytopenie (HIT)
  • Akutes Koronarsyndrom (NSTEMI/STEMI)
  • Kardiopulmonaler Bypass
  • Venöse Thromboembolie (off-label)

Stand der Forschung

Evidenzlevel: klinisch.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Halbwertszeit

Im Plasma 25 Minuten. Renale Elimination; bei Niereninsuffizienz Dosisanpassung.

Anwendung in der Forschung

PCI: i.v. Bolus 0,75 mg/kg, dann Infusion 1,75 mg/kg/h während des Eingriffs. HIT: 0,2 mg/kg/h. FDA (2000) und EMA (2005) zugelassen.

Vollständiges Profil mit Studienverweisen, Halbwertszeit und Forschungsanwendung – nur für Premium-Mitglieder.

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Verschreibungspflichtiges Medikament

Diese Substanz ist in Deutschland als Arzneimittel zugelassen und ausschließlich auf ärztliche Verschreibung erhältlich. Die Inhalte dieser Seite dienen nur der Information über Forschungsstand und Wirkmechanismus – sie ersetzen keine ärztliche Beratung und stellen keine Anwendungsempfehlung dar.

Hintergrund

Bivalirudin entstand aus der Hirudin-Forschung: Hirudin aus dem Blutegel ist der potenteste natürliche Thrombininhibitor, hat aber sehr lange Halbwertszeit und renale Elimination. John Maraganore und Kollegen entwickelten Bivalirudin als synthetisches Analogon mit optimiertem Profil: kurze Halbwertszeit (25 Min), einfache Dosierung, keine HIT-Gefahr.

Bivalirudin konkurriert mit unfractioniertem Heparin (UFH) bei PCI. Der Vorteil: kein HIT-Risiko (da Bivalirudin kein PF4-Antikörper-Problem verursacht), vorhersagbarere Antikoagulation, geringere Blutungsrate bei gleicher ischämischer Protektion.

Wirkmechanismus

  • Bivaliente Thrombinbindung: C-terminale D-Phe-Pro-Arg-Pro-Sequenz bindet aktives Zentrum; N-terminale Sequenz bindet Exosite 1 (Fibrinogenbindungsstelle)
  • Thrombin-Selbst-Inaktivierung: Thrombin spaltet das Peptid (Pro-Arg-Bindung) → Entstehung einer schwächer bindenden Restform → Reversibilität
  • Direkte Thrombinhemmung: Unabhängig von Antithrombin III (im Gegensatz zu Heparin)
  • Fibrin-gebundenes Thrombin: Bivalirudin hemmt auch fibringebundenes Thrombin (Heparin nicht)

Klinische Bedeutung bei HIT

Heparininduzierte Thrombozytopenie (HIT) ist eine schwerwiegende immunologische Heparin-Nebenwirkung. Patienten mit HIT brauchen ein nicht-Heparin-Antikoagulans. Bivalirudin ist neben Argatroban das Standardmittel bei HIT bei PCI.

Wichtige Studien

  • REPLACE-2 (2003): Bivalirudin nicht inferior zu Heparin+GPIIb/IIIa bei elektivem PCI, signifikant weniger Blutungen
  • HORIZONS-AMI (2008): Bei STEMI PCI weniger Blutungen mit Bivalirudin vs. Heparin+GPIIb/IIIa, aber mehr Stent-Thrombosen (später durch Antikoagulations-Dauer-Optimierung gemindert)

Einschränkungen

Stent-Thrombose-Risiko in ersten Stunden nach PCI leicht erhöht (wenn Post-PCI-Infusion zu kurz). Teurer als UFH. Niereninsuffizienz erfordert Dosisanpassung.

STUDIEN

Verlinkte Forschung

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