Bodycode_Research
Therapeutische PeptideIn DE zugelassenProfil #114
#114

Atosiban

Tractocile® – Oxytocin-Antagonist zur Tokolyse

Was es ist

Atosiban (RWJ-22164) ist ein synthetisches Dekapeptid-Analogon, das als kompetitiver Antagonist an Oxytocin- und Vasopressin-V1a-Rezeptoren im Uterus bindet.

Es wurde von Ferring Pharmaceuticals entwickelt und 2000 von der EMA zugelassen. In den USA wurde die Zulassung von der FDA 1998 abgelehnt (wegen mangelnden Wirksamkeitsnachweises vs. Placebo und Sicherheitsbedenken bei Frühgeborenen). Atosiban hemmt Oxytocin-vermittelte Uteruskontraktionen und wird als Tokolytikum eingesetzt, wenn vorzeitige Wehen eine drohende Frühgeburt ankündigen.

Wofür es erforscht wird

  • Vorzeitige Wehen und Frühgeburt (Tokolyse)
  • Uterine Kontraktions-Hemmung
  • IVF-Erfolgsrate (experimentell: Uterus-Kontraktions-Hemmung peri-Transfer)
  • Dysmenorrhö (Schmerzen durch Uteruskontraktionen)

Stand der Forschung

Evidenzlevel: klinisch.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Halbwertszeit

Im Plasma 18 Minuten. Als i.v. Infusion eingesetzt.

Anwendung in der Forschung

EMA-zugelassen: i.v. Bolus 6,75 mg über 1 Minute, dann 3-stündige Hochdosis-Infusion (18 mg/h), dann Niedrigdosis-Infusion (6 mg/h) bis 45 Stunden. Nur stationär.

Vollständiges Profil mit Studienverweisen, Halbwertszeit und Forschungsanwendung – nur für Premium-Mitglieder.

Premium freischalten – 99 € einmalig

Verschreibungspflichtiges Medikament

Diese Substanz ist in Deutschland als Arzneimittel zugelassen und ausschließlich auf ärztliche Verschreibung erhältlich. Die Inhalte dieser Seite dienen nur der Information über Forschungsstand und Wirkmechanismus – sie ersetzen keine ärztliche Beratung und stellen keine Anwendungsempfehlung dar.

Hintergrund

Vorzeitige Wehen sind eine häufige geburtshilfliche Notfallsituation und Hauptursache der neonatalen Morbidität und Mortalität. Das therapeutische Ziel ist das Verzögern der Geburt um 48 Stunden, um Kortikosteroide für die fetale Lungenreife zu verabreichen.

Die klassischen Tokolytika (β-Mimetika wie Ritodrin, Fenoterol) haben substanzielle kardiovaskuläre Nebenwirkungen bei der Mutter (Tachykardie, Hypotonie, Pulmonalödem). Atosiban hat als selektiverer Uterus-Antagonist ein deutlich besseres Sicherheitsprofil.

Wirkmechanismus

  • Oxytocin-Rezeptor-Blockade (OXTR): Kompetitive Hemmung der Oxytocin-induzierten Uteruskontraktionen
  • V1a-Blockade: Zusätzliche Hemmung Vasopressin-vermittelter Kontraktion
  • Uterus-Selektivität: Hauptwirkung auf uterinen Muskel; weniger systemische kardiovaskuläre Effekte als β-Mimetika
  • Prostaglandin-Modulation: Mögliche indirekte Hemmung Prostaglandin-vermittelter Kontraktionen

EMA vs. FDA – Regulatorischer Unterschied

Atosiban ist in Europa (EMA, 2000) und über 50 Ländern weltweit zugelassen, nicht jedoch in den USA. Die FDA lehnte 1998 ab, weil:

  1. Keine signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo für neonatalen Outcome
  2. Überlebensrate Frühgeborener in der Atosiban-Gruppe nicht signifikant besser als Placebo

In Europa wird der kurzfristige Wirkungsnachweis (Verlängerung der Schwangerschaft um 48h für Kortikosteroide) als ausreichend für den klinischen Nutzen angesehen.

Einschränkungen

Fehlende FDA-Zulassung reflektiert die begrenzte Evidenz für verbesserten neonatalen Outcome. Teurer als Kalziumkanal-Blocker (Nifedipin), die in vielen Ländern als Erstlinien-Tokolytikum genutzt werden. Nur i.v. Gabe möglich.

STUDIEN

Verlinkte Forschung

WEITERE PROFILE

Verwandte Peptide

Zurück zur Datenbank
Teilen