Hintergrund
Das Apelin-APJ-System wurde 1993 durch die Klonierung des APLNR als orphan GPCR entdeckt. Fünf Jahre vergingen, bis die japanische Gruppe um Kawamata 1998 Apelin als natürlichen APJ-Liganden aus bovinem Magenextrakt isolierte. Seitdem hat sich das Apelin-System als wichtiges kardiovaskuläres Peptidsystem etabliert.
Besonders interessant: Das Apelin/APJ-System und das Angiotensin/AT1R-System sind funktionell komplementär. Angiotensin II wirkt vasokonstriktorisch und profibrotisch; Apelin wirkt vasodilatatorisch und antifibrotisch. Bei Herzinsuffizienz sinkt Apelin, während Angiotensin II steigt.
Wirkmechanismus
Apelin wirkt über den APJ-Rezeptor (Gi-Protein-gekoppelt):
- Positiv inotrop: Steigerung der Herzkontraktion über Ca²⁺-sensitisierende Mechanismen
- Vasodilatation: NO-Synthase-Aktivierung → NO↑ → Gefäßrelaxation
- Anti-Hypertrophie: Hemmung von Angiotensin-II-induzierten Fibrose und Hypertrophie
- Diurese: Apelin wirkt der ADH-Wirkung entgegen → aquaretisch
- Metabolisch: Insulinsensitivität↑, Glukoseaufnahme↑ in Skelettmuskel
Forschungsstand
Erste klinische Studien mit intravenösem Apelin-13 bei Herzinsuffizienz (Japp et al.) zeigten positiv inotrope Effekte ohne Tachykardie oder Vasokonstriktion – ein vorteilhaftes Profil im Vergleich zu klassischen Inotropika.
BMS-986224 (nicht-peptidischer APJ-Agonist) war in Phase II für Herzinsuffizienz, zeigte jedoch gemischte Ergebnisse. Stabilere Apelin-Peptid-Analoga (z.B. [Sar1]-Apelin-17, MM07) sind in frühen klinischen Studien für pulmonale Hypertonie. Das Feld gilt als therapeutisch hochinteressant.

