Hintergrund
ANP war 1981 ein paradigmatischer Befund: Herz als endokrines Organ – eine bis dahin unbekannte Funktion des Herzens. Adolfo de Bold injizierte Vorhofextrakte in Ratten und beobachtete massive Natriurese. Die Entdeckung, dass das Herz ein Hormon produziert, das direkt die Nieren reguliert, veränderte das Verständnis der Kreislaufphysiologie grundlegend.
ANP ist heute primär als Biomarker bedeutsam: NT-proANP und besonders BNP/NT-proBNP (das engverwandte ventrikuläre Pendant) sind Goldstandard-Biomarker für Herzinsuffizienz-Diagnose und -Prognose.
Wirkmechanismus
ANP bindet an Guanylatzyklase-A (NPR-A, Natriuretischer-Peptid-Rezeptor A):
- Renale Effekte: Glomeruläre Filtration↑, Natrium-Rückresorption↓ im Sammelrohr → Natriurese, Diurese
- Vaskuläre Effekte: Glatte Gefäßmuskelrelaxation → Vasodilatation, RR↓
- Antiproliferativ: Hemmung von Fibroblasten und glatten Muskelzellen → Anti-Remodeling
- RAAS-Suppression: Aldosteron-Sekretion↓, Renin-Aktivität↓
- Lipolyse in braunem Fettgewebe: Thermogenese-Aktivierung bei körperlicher Aktivität
Forschungsstand
Als direkte Pharmaka haben ANP-Derivate enttäuscht: Ularitide (ANP-Analogon, Phase III TRUE-AHF 2017) zeigte keine Mortalitätsverbesserung bei akuter Herzinsuffizienz. Das Konzept, den ANP-Spiegel durch Neprilysin-Hemmung zu erhöhen (Sacubitril/Valsartan – ARNI), war dagegen revolutionär erfolgreich.
Interessant: Gut trainierte Athleten haben erhöhte ANP-Spiegel, höhere Kapazität zur ANP-Lipolyse und geringere Adipositas-Neigung – ein physiologischer Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und kardioendokriner Regulation.

