Hintergrund
Das klassische Renin-Angiotensin-System (RAS) war jahrzehntelang als einfacher Kreislauf bekannt: Renin → Angiotensin I → (ACE) → Angiotensin II → AT1R → Vasokonstriktion, Aldosteron, Inflammation, Fibrose. Die Entdeckung von ACE2 (2000) und dann Angiotensin (1-7) als Mas-Ligand (Santos et al. 2003) etablierte eine Gegenregulationsachse: ACE2-Ang(1-7)-Mas wirkt der klassischen ACE-AngII-AT1R-Achse entgegen.
Bei COVID-19 nutzt SARS-CoV-2 ACE2 als Eintrittspforte → ACE2 wird herunterreguliert → Ang(1-7) sinkt → AngII-Wirkungen überwiegen → Lungenödem, Inflammation. Dies erklärt die Rationale für Ang(1-7)-Therapeutika bei ARDS.
Wirkmechanismus
Ang(1-7) wirkt über den Mas-Rezeptor (GPCR, Gi-Kopplung):
- Vasodilatation: NO-Freisetzung, Prostacyclin↑
- Anti-Fibrose: TGF-β-Signaling↓, Kollagen-Synthesis↓
- Anti-Inflammation: NF-κB-Hemmung, Zytokin-Suppression
- Anti-Thrombotisch: Thromboxan A2-Hemmung, ADP-induzierte Thrombozytenaggregation↓
- Diuretisch: Gegenregulation zur Aldosteron-Wirkung
Forschungsstand
TXA127 wurde für Knochenmarkschutz nach Chemotherapie (Phase II, RCT) und für COVID-19-ARDS klinisch getestet. Erste COVID-19-Studien zeigten verbessertes SpO2 und reduzierte Lungenschäden. Als Teil der Post-COVID-Forschung und für Herzinsuffizienz laufen aktuelle Studien. Die kurze Halbwertszeit ist das Hauptentwicklungshindernis.

