Bodycode_Research
Therapeutische PeptideResearch Use OnlyProfil #102
#102

Adrenomedullin

AM – Vasodilatierendes Polypeptid aus dem Nebennierenmark

Was es ist

Adrenomedullin (AM) ist ein endogenes 52-Aminosäuren-Peptid (mit C-terminaler Amidierung), das 1993 von Kitamura et al.

aus humanem Phäochromozytom-Gewebe (Nebennieren-Mark-Tumor) isoliert wurde. Es gehört zur Calcitonin/CGRP-Peptid-Superfamilie. AM wird ubiquitär exprimiert – besonders stark in Nebenniere, Herz, Lunge, Niere und Gefäßendothel. Adrenomedullin-Rezeptoren (CLR/RAMP2 und CLR/RAMP3) sind G-Protein-gekoppelt und führen zu cAMP-Erhöhung. AM ist essentiell für die vaskuläre Entwicklung (AM-Knockout-Mäuse sterben embryonal durch cardiovaskuläre Malformationen).

Wofür es erforscht wird

  • Septischer Schock (pro-ADM als Biomarker und Therapieziel)
  • Pulmonale arterielle Hypertension
  • Herzinsuffizienz
  • Präeklampsie und fötale Entwicklung
  • Entzündungshemmung (AM reguliert NF-κB)
  • Antimikrobielle Eigenschaften
  • Tumorangiogenese

Stand der Forschung

Evidenzlevel: klinisch.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Halbwertszeit

Im Plasma 22 Minuten. Mid-regionales pro-ADM (MR-proADM) als stabiler Biomarker klinisch genutzt.

Anwendung in der Forschung

Direkte AM-Infusion: in klinischen Studien bei pAH und Herzinsuffizienz (experimentell, kein zugelassenes Präparat). Adrecizumab (anti-ADM-Antikörper, Firma Adrenomed): in Phase II bei Sepsis – Nachweis von Verbesserung der Mikrozirkulation.

Vollständiges Profil mit Studienverweisen, Halbwertszeit und Forschungsanwendung – nur für Premium-Mitglieder.

Premium freischalten – 99 € einmalig

Rechtlicher Hinweis – Research Use Only

Die hier dargestellten Informationen dienen ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Diese Substanz ist in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen und darf nicht zur Anwendung am Menschen eingesetzt werden. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.

Hintergrund

Adrenomedullin wurde fast zufällig entdeckt: Kitamura und Kollegen suchten nach Vasodilatoren in Phäochromozytom-Extrakten und fanden ein neues, extrem starkes vasodilatierendes Peptid. Die Benennung nach dem Nebennierenmark (Adrenomark = Nebennierenmark, Medulla) reflektiert den Entdeckungsort, nicht die primäre Physiologie.

Die embryonale Lethalität von AM-Knockout-Mäusen zeigt die absolute Essentialität von Adrenomedullin für die kardiovaskuläre Entwicklung – es gibt kein Ersatz-Signalsystem.

Wirkmechanismus

  • Vasodilatation: CLR/RAMP2-Aktivierung → cAMP↑ → glatte Muskelrelaxation in Widerstandsgefäßen
  • Endothelintegrität: AM stabilisiert Endothel-Zell-Verbindungen (Tight Junctions, VE-Cadherin) → reduzierte Kapillar-Leckage
  • Natriurese: Renale AM-Wirkung → erhöhte Na⁺-Ausscheidung
  • Anti-Inflammation: Hemmung von NF-κB, Reduktion pro-inflammatorischer Zytokine
  • Antimikrobiell: Direkter mikrobizider Effekt (strukturelle Ähnlichkeit zu Defensinen)
  • Angiogenese: Endothelzell-Migration und -Proliferation fördernd (Tumorgefäßbildung)

Klinische Relevanz als Biomarker

MR-proADM (mid-regionales pro-Adrenomedullin) ist der stabilste AM-Biomarker und bei Sepsis/Pneumonie stark erhöht. Er korreliert mit Schweregrad und Mortalität. In der SMART-COP-Studie war MR-proADM bester Prädiktor für Intensivpflicht bei Pneumonie.

Therapeutisches Potenzial

Adrecizumab (anti-ADM-IgG2 Antikörper) – der innovative Ansatz: statt AM zu aktivieren, bindet der Antikörper freies AM und stabilisiert/verlängert seine Wirkung. In Phase II bei septischem Schock zeigte Adrecizumab Verbesserung der Mikrozirkulation (ADRENOMICS).

Einschränkungen

AM-Infusion kann starke Hypotonie verursachen; therapeutisches Fenster schmal. Die Doppelrolle (vasodilatierend + angiogen) macht AM bei Krebs ambivalent.

STUDIEN

Verlinkte Forschung

WEITERE PROFILE

Verwandte Peptide

Zurück zur Datenbank
Teilen