Hintergrund
Abaloparatid ist das zweite zugelassene anabole Osteoporose-Therapeutikum (nach Teriparatid). Die Entwicklungsidee: PTHrP (ein endogenes Protein, das in der Schwangerschaft Knochen umbaut und im Knorpel exprimiert wird) hat im Gegensatz zu PTH weniger hyperkalzämische Nebenwirkungen. PTHrP-basierte Analoga könnten PTH1R anabole Signalwege selektiver aktivieren.
Das ACTIVE-Trial (JAMA 2016) zeigte überragende Fraktur-Reduktion: vertebral Frakturen -86% vs. Placebo (vs. Teriparatid -80% in historischen Vergleichen). Non-vertebral Frakturen: signifikante Reduktion. Zusätzlich weniger Hyperkalzämie als Teriparatid.
Wirkmechanismus
- PTH1R R0-Präferenz: Abaloparatid bindet bevorzugt die „transiente” Konformation des PTH1R → kürzere cAMP-Aktivierung → mehr osteoblasten-anaboles Signaling, weniger osteoklasten-aktivierendes Signaling
- Knochenformation↑: Osteoblasten-Aktivierung → neue Knochenmatrix-Deposition
- Geringere Osteoklasten-Aktivierung: Weniger RANKL-Induktion als Teriparatid (theoretisch)
- Transiente Hyperkalzämie: Kurzfristiger Ca²⁺-Anstieg nach Injektion (weniger als Teriparatid)
Vergleich Abaloparatid vs. Teriparatid
| Parameter | Abaloparatid (Tymlos®) | Teriparatid (Forteo®) |
|---|---|---|
| Sequenz | PTHrP 1-34-Analogon | PTH 1-34 |
| Fraktur-Reduktion | Ähnlich | Ähnlich |
| Hyperkalzämie | Weniger | Mehr |
| Dosierung | 80 µg/Tag | 20 µg/Tag |
| Max. Therapie | 18-24 Monate | 24 Monate |
| Osteosarkom-Boxwarning | Ja (Tiermodell) | Ja (Tiermodell) |
Einschränkungen
Osteosarkom-Boxwarning (Tierstudien bei hoher Dosis) – kein klinischer Befund aber Vorsichtshalber. Maximale Therapiedauer begrenzt. Nach Absetzen Anti-Resorptivum essenziell für Knochenerhalt. Teuer.

